Weidenschlossgeschichten 03

In Frühjahr 2014 riefen mich junge Leute an, ob ich sie im Weidenschloss trauen würde. Neben meiner Arbeit als Redner bei Trauerfeiern und anderen Anlässen habe ich seit 25 Jahren immer auch Trauungen durchgeführt. Das ganze lief über Mundpropaganda in dem Sinne, wer vernünftige Trauerreden hält, muss wohl auch fähig sein, schöne Trauungen durchzuführen. Zwei oder drei Trauungen waren das jährliche Ergebnis. Zu mehr hatte ich keine Zeit.

 

Inzwischen sind die Trauerfeiern aus verschiedenen Gründen stark zurückgegangen, so dass ich endlich Zeit habe, mich intensiver mit den Hochzeiten zu beschäftigen. Ich musste mich also jetzt intensiv mit dem Weidenschloss beschäftigen.

 

Dabei bin ich aus dem Staunen nicht herausgekommen. Das Bremerhavener Weidenschloss ist nicht nur der ideale Ort für Trauungen, sondern der bedeutungsvollste und heilsamste.

 

Fangen wir einfach mal wieder mit Google an:

 

Unter dem Stichwort Acetylsalicyläure (Aspirin) wird uns erzählt, dass Weidenrinden spätestens in den frühen Hochkulturen – also auch schon bei den alten Ägyptern – als Mittel gegen Fieber und Schmerzen aller Art eingesetzt wurden.

 

Durch Kochen von Weidenbaumrinden haben Germanen und Kelten Extrakte zu Heilzwecken gewonnen. Die Wirkstoffe halfen gegen Krämpfe, hysterische Anfälle, Nervosität und sogar gegen Epilepsie.

 

1887 wurde der Wirkstoff Aspirin genannt und ohne Nebenprodukte produziert. Heute kennt fast jeder in Deutschland die wohltuenden Wirkungen von Aspirin, dem Stoff, der aus der Weidenrinde stammt.

 

Auf halben Weg zwischen Schiffdorf und Bramel gab es einen Feldweg, der heute zu einer ordentlichen Straße ausgebaut ist, mit Namen „zu den Moorhöfen“. Meine Hannelore erzählte mir, dass sie im Anfang ihrer Tätigkeit bei unserem Doktor dort eine sehr alte Frau besuchen und ihr Bein verbinden sollte. Das Haus war sehr niedrig gebaut und sehr klein. Das Strohdach wurde auch immer dünner und die Vögel holten sich Strohhalme für ihre Nester aus dem Dach. Es gab nur in der Küche eine elektrische Glühlampe. Die alte Frau hatte im Dorf den Ruf eine Heilerin zu sein. Als beide Frauen Vertrauen zueinander gefunden hatten, erzählte die alte Frau von Früher.

 

Sie hätte vielen Menschen helfen können indem sie ihnen einfach nur für eine gewisse Zeit die Hände, meistens auf den Kopf, gelegt hätte und hätte dann still bei sich in Gedanken ihrer „Patientin“ den Befehl gegeben, gesund zu werden. Manchmal habe sie auch ihre Hände auf die schmerzenden Körperteile gelegt. Die ganze Sache habe so zwischen 10 und 20 Minuten gedauert. Manchmal wären die „Leute (Patienten)“ nach einer „Sitzung“ schmerzfrei gewesen und manchmal hätte das auch drei bis fünf „Sitzungen“ gebraucht. Die „Patienten“ mussten dabei ganz still sein und sich auf ihre Heilung konzentrieren. Früher, als die Medizin „noch nicht so weit war“, habe sie immer wieder „Patienten“ mit der schmerzhaften (Gürtel-)Rose gehabt. Mehr als drei Sitzungen brauchte sie nie, dann war alles wieder ausgeheilt.

 

Aber die Menschen sind anders geworden. Sie haben so viele „aber“ in ihren Herzen, dass man kaum noch etwas mit ihnen machen kann. Wenn sie zum Beispiel den wunderbaren Weidenrindensirup in ihrer Tasche haben und schon im Weggehen begriffen sind, drehen sich manche noch mal um und fragen:“ Aber wenn das alles nicht hilft, was muss ich dann machen?“ Ich nenne diese modernen Menschen die „Aber-Menschen“. Sie können sich nicht mehr entscheiden, weil in ihrem Hinterkopf immer ein leises „Aber“ den Entschluss und die Heilung aufhebt.

 

Ich habe aus dem Konfirmandenunterricht noch einen Bibeltext in Erinnerung, der mir immer sehr geholfen hat. Irgendwie ging der so: „wenn ein Reich mit sich selbst uneins wird, kann es nicht bestehen. Und wenn ein Haus mit sich selbst uneins wird, kann es nicht bestehen.“ (Markus 3, 24 -25) Mit diesen „Aber-Menschen“, die so denken und fühlen, habe ich immer noch ganz große Schwierigkeiten.

 

Sie hatte ihren Sohn verloren und in der Zeit viel um seine Genesung gebetet, aber das hätte alles nicht geholfen. Deshalb habe sie den Glauben an Gott schon früher total verloren. Jetzt würde sie nicht mehr beten, sondern einfach nur die besten Wünsche und einen „passenden Spruch“ für den jeweiligen Patienten „in ihrem Sinn“ für sich selbst sprechen, während sie ihre Hände auf den Körper ihres „Patienten“ legte.

 

Natürlich kannte sie auch einige sehr alte wirkmächtige Sprüche, die sie sich „im Stillen“ bei ihren Behandlungen selbst vorsagte. Aber die könne sie Hannelore nicht erzählen, denn dann würden sie ihre Wirkung verlieren. Wenn jemand alt geworden ist wie sie, dann können sie ihre Sprüche nur an einen Mann – egal wie alt – weitergeben. Der müsse es dann an eine Frau weitergeben. Sie hätte nun die große Schwierigkeit, dass sie ihre Sprüche nicht weitergeben könne, weil die Männer ja „an so etwas alle nicht glauben“. Frauen sind eher bereit dazu.

 

Manchmal würde sie auch Ringelblumsalbe benutzen. Als sie noch laufen konnte, habe sie immer frische Ringelblumen im Haus gehabt und die dann mit dem Mörser zerstoßen und mit Schweineschmalz verrührt, so dass daraus eine Salbe wurde. Vielfach hätte das tüchtig geholfen. Im Dorf waren „Meta und ihre Ringelblumensalbe“ gut bekannt.

 

Aber wenn die Leute eher etwas „innerliches“ hatten, dann hat sie ihnen einen „Sirup“ mitgegeben, den sie mit heißem Wasser auflösen sollte, so dass er als Tee trinkbar war. Natürlich musste man dann den Tee mit Honig oder Zucker versüßen, denn er war fürchterlich bitter. Diesen „Sirup“ hat sie schon im Frühjahr, wenn die Weiden frische Triebe hervorbrachten, aus den frischen und abgeschälten Weidenrinden gekocht. Damit hat sie vielen Menschen helfen können.

 

Nun war sie alt geworden und hatte niemand, den sie ihre Sprüche weitergeben konnte. Das beunruhigte sie, denn die Menschen haben immer irgendwelche Beschwerden.

 

Sie habe für ihre Behandlungen niemals Geld genommen. Die Fähigkeiten, die die Natur uns umsonst gibt, dürfen wir nicht zu Geld machen. Viele Leute gaben ihr jedoch aus Dankbarkeit etwas. Sie waren der Meinung, erst wenn sie die Behandlung bezahlt hätten, wären sie die Erkrankung oder das Leiden endgültig los. Sie drückten ihr etwas Geld in die Hand beim Abschied oder legten es einfach auf den Tisch. Oftmals waren es frische Eier, oder Grünkohl. Vielfach bekam sie auch Kartoffeln und von irgendjemanden meistens zu Weihnachten eine gerupfte Ente. Auch jetzt noch, wo sie alt und gebrechlich geworden sei, hätte man sie nicht vergessen.

 

Als meine Hannelore mir das alles erzählte, war Oma Meta schon lange tot. Das Haus war auch schon abgerissen und der Feldweg zu einer Straße ausgebaut. Mich hat die Geschichten von Oma Meta sehr nachdenklich gestimmt und ich konnte sie nicht vergessen.

 

Als dann die jungen Leute von mir im Weidenschloss getraut werden wollten, sind mir diese alten Geschichten wieder eingefallen. Als ich mitten in der Nacht wach wurde, das passiert mir oft, hat mir der Song von Ireen Sheer im Kopf herumgesummt. Hier ist der Text:

 

 

Ich bin kein Hemd, das man sich auszieht

Wenn man`s nicht mehr tragen will

Bin keine Flasche, die man leertrinkt

Und dann wegwirft auf den Müll

Ich bin auch nicht Deine Köchin

Und die Frau, die für Dich putzt

Ich möcht` immer für Dich dasein

Doch ich werd nicht gern benutzt

 

Und heut` Abend (und heut` Abend)

Hab` ich Kopfweh (hab` ich Kopfweh)

Wenn Du sagst (wenn Du sagst)

Komm doch her (komm doch her)

Ich hab` Migräne ( ich hab Migräne)

Weil ich mich sehne (weil ich mich sehne)

Ich will geliebt sein (ich will geliebt sein)

Ich will mehr.

 

Jeden morgen, wenn Du in Dein Büro gehst

Leer ich Deine Aschenbecher aus

Und dann denk` ich immer, Du hast es besser

Du erlebst was und ich hock` zu Haus

Früher kam mal ab und zu Dein Anruf

Manchmal hast Du Blumen mitgebracht

Heute scheint Dir all das nicht mehr nötig

Dein Bett wird sowieso von mir gemacht.

 

Und heut` Abend (und heut` Abend)

Hab` ich Kopfweh (hab` ich Kopfweh)

Wenn Du sagst (wenn Du sagst)

Komm doch her (komm doch her)

Ich hab` Migräne ( ich hab Migräne)

Weil ich mich sehne (weil ich mich sehne)

Ich will geliebt sein (ich will geliebt sein)

Ich will mehr.

 

Würd` ich für Dich nichts mehr empfinden

Wäre ich schon lange nicht mehr da

Doch irgendwo unterm Schutt des Alltags

Ist es immer wie es war

Und manchmal seh` ich in Deinen Augen

Und fühl, ich bin doch nicht allein

Doch wenn Du willst, dass ich Dir gehöre

Möchte ich neu erobert sein.

 

Und heut` Abend (und heut` Abend)

Hab` ich Kopfweh (hab` ich Kopfweh)

Wenn Du sagst (wenn Du sagst)

Komm doch her (komm doch her)

Ich hab` Migräne ( ich hab Migräne)

Weil ich mich sehne (weil ich mich sehne)

Ich will geliebt sein (ich will geliebt sein)

Ich will mehr.

 

Gegen Kopfweh gibt es das gute alte Aspirin. Die alten Ägypter wussten schon, dass gegen Kopfweh der Extrakt von Weidenrinden sehr gut hilft. Also ist das Bremerhavener Weidenschloss der beste Ort zum Heiraten, denn er beinhaltet ein Medikament gegen Kopfweh. Kopfweh ist nicht gut für die Liebe. Gegen Kopfweh ist der Extrakt aus Weidenrinden - Aspirin – ganz besonders wirksam und ist sehr gut für die Liebe.

 

Weidenschlossgeschichten 03 - Freie Trauung